An der Spree – vom Bundeskanzleramt zur Museumsinsel

An der Spree – vom Bundeskanzleramt zur Museumsinsel

Wir machen eine Architekturzeitreise ins 19 Jahrhundert und enden an einer Baustelle im „hier und jetzt“. Damit wird auch der Wunsch unseres 7-jährigen erfüllt, denn er möchte vom Bundeskanzleramt am Wasser entlang zur Museumsinsel laufen.

U-Bhf Bundestag in Berlin

U-Bhf Bundestag in Berlin

Wir gehen am U-Bahnhof Bundestag los, der mit einer Wellblechhaube über der Rolltreppe noch zu schlafen scheint. Menschenleer hinter dem hohen Zaun empfängt uns das Bundeskanzleramt. Die blühenden Bäumchen in den pfeilerartigen Pflanztrögen gefallen uns. Weil dort aber nichts passiert wenden sich die Kinder den an und abschwellenden Fontänen zwischen den Rasenbändern hinter uns zu und spielen mit dem Wasser nachlaufen.

Das Bundeskanzleramt - blühende Landschaften auf hohen Pfeilern

Das Bundeskanzleramt – blühende Landschaften auf hohen Pfeilern

Schließlich schlendern wir an der Schweizer Botschaft vorbei zur Spree. Durch den Spreepark – einer Rasenfläche, die ausdrücklich als Ballspielplatz bezeichnet ist bis an die Promenade. Hier schauen wir unter uns den vorbeiziehenden Ausflugsschiffen zu und bemerken aufblickend die Züge, die im Hintergrund durch eine sanfte Kurve in den Hauptbahnhof einfahren.

Ballspielplatz an der Spree mit dem Hauptbahnhof im Hintergrund

Ballspielplatz an der Spree mit dem Hauptbahnhof im Hintergrund

Am Wasser angekommen wenden wir uns nach rechts und gehen die Rampe hinunter zur Spree und unter der Brücke durch. Das Band des Bundes – rechts Paul-Löbe-Haus und links Marie-Elisabeth-Lüders-Haus kleiden den Fluss in Architektur. Beton in Senkrechten, Waagerechten und gerundeten Formen kanalisiert das Wasser und den Blick, der im Prospekt dem ehemaligen Reichspräsidentenpalais einen Rahmen gibt. Der Kurve folgend schiebt sich uns vom rechten Bühnenrand das Reichstagsgebäude ins Blickfeld.

Treppenanlage zwischen Reichstag und Paul-Löbe-Haus an der Spree in Berlin-Mitte

Treppenanlage an der Spree zwischen Reichstag und Paul-Löbe-Haus

Wir folgen dem Reichstagsufer am Spreebogen und schauen am Jakob-Kaiser-Haus in einen versenkten Steingarten. Die herausragenden Kiefern hinter den Glastafeln mit den 19 Grundgesetzartikeln in der Fassung von 1949 hatten uns angezogen. Ein wenig Grün zwischen all dem Gestein.

Ehemaliges Reichspraesidentenpalais und gläsernes Grundgesetz

Ehemaliges Reichspraesidentenpalais und gläsernes Grundgesetz

Nachdem jedes Kind einmal hochgehoben in den Garten geguckt hat, zieht es uns weiter bis zum ARD-Infocenter. Dort warten schon eine riesige Plüschmaus und ein knallblauer Elefant auf uns, um sich mit den Kindern fotografieren zu lassen. Auch große Kinder – so etwa 40 Jahre alt, wie die Maus selbst – drängeln sich gerne vor denn in Erinnerung an Kinderzeiten wollen sie auch mit ihrem Liebling abgelichtet werden. Ein Blick in die leuchtenden Augen kann man es ihnen nicht übel nehmen.

Einladung zum Fotoshooting mit Maus und Elefant

Einladung zum Fotoshooting mit Maus und Elefant

Die gegenüberliegende Spreeseite erinnert uns an das Alte Berlin. Die Brandmauer eines Berliner Mietshauses schmückt ein Fassadengemälde mit dem Aufruf  „Mindestlohn für Alle“. Daran schließt sich eine lange Reihe schlichter Plattenbauten an. Nach soviel Repräsentation verstecken sich vielleicht hier die inneren Werte.

Plattenbauten an der Spree in Berlin-Mitte, Nähe U und S Bhf. Friedrichstraße

Fassadengemälde unter dem Aufruf   „Mindestlohn für Alle“

Am Geländer entlangschlendernd kommt schon der S- und U-Bahnhof Friedrichstraße in Sicht.  Aus einer Lücke in der Häuserzeile rauschen in kurzen Abständen die gelb-rot-gestreiften S-Bahnzüge hervor, überqueren die Brücke und verschwinden im Tunneligen Dach des Bahnhofs Friedrichstraße. Ab und an begegnen sie dem Gegenzug auf der Brücke.

S-und U-Bahnhof Friedrichstrasse, Berlin

S-und U-Bahnhof Friedrichstrasse, Berlin

Im Bahnhof holen wir uns einen Bayrischen Leberkäse zur stärkung und schauen uns dann den Tränenpalast an, die ehemalige Abfertigungshalle für Westbesucher im Ostberlin, der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Nachdem wir jahrelang Konzertauftritte der unterschiedlichsten Bands hier genießen konnten, ist der hübsche Stahl-Glasbau der 60er-jahre mit dem melancholischen Namen jetzt ein Dokumentationszentrum der Grenzerfahrung geworden. Die Eingangshalle wurde im Zusammenhang mit der Bebauung des Spreedreiecks restauriert.

Tränenpalast, Berlin-Mitte

Der sogenannte Tränenpalast. Im Hintergrund zieht sich der S- und U-Bahnhof Friedrichstraße entlang.

Der nächste Höhepunkt gilt wieder unseren Kindern. Während wir die Friedrichstraße überqueren und sich rechts noch einmal der traditionsreiche Berliner Bahnhof friedrichstraße erhebt, quert links von uns die prächtige Weidendammer Brücke die Spree und kündet in ihrem Namen von idyllischeren Zeiten. Aber soweit wollen wir garnicht zurückgehen, denn hier standen doch die hochberühmten Protagonisten aus Erich Kästners Kinderroman „Pünktchen und Anton“ nachts auf der Brücke und verkauften Streichhölzer und Schnürsenkel.

Die Weidendammer Brücke verbindet die beiden Spreeufer der Friedrichstraße in Berlin Mitte miteinander

Die Weidendammer Brücke verbindet die beiden Spreeufer an der Friedrichstraße miteinander.

Weiter gehts am Kupfergraben entlang. Rechts quert immer wieder die S- und Fernbahnstrecke im Hintergrund der abgehenden Straßen den Ausblick. Links in den Lücken der Häuserzeile an der Spree glänzt die goldene Kuppel der Synagoge an der Oranienburger Straße hervor. Langsam nähern wir uns der kupfernen Kuppel des Bodemuseums, wobei die silbrige Kugel des Fernsehturms auf der Ballustrade Platz zu nehmen scheint und schließlich hinter dem neubarocken Rundbau verschwindet.

Das Bodemuseum an der Spitze der Museumsinsel

Das Bodemuseum an der Spitze der Museumsinsel

An der Museumsinsel angekommen empfängt uns neben den Museen eine große Baustelle mit Lastkähnen, Baumaschienen und Spundwänden am Pergamonmuseum und Neuem Museum. Dieses bunte Sammelsurium fasziniert uns und unsere Kinder. Eine Vision dessen, was dort erstehen wird kann im Masterplan der Museumsinsel angesehen werden.

Kaiser vor der Alten Nationalgalerie blickt auf den Fernsehturm

Kaiser vor der Alten Nationalgalerie blickt auf den Fernsehturm

Schließlich mischen wir uns unter die Museumsbesucher an der Alten Nationalgalerie und bewundern die bronzenen Tierfiguren.  Hinein gehen wir nicht, denn die Kinder gelüstet es nach Eis und so schlendern wir über die Spreebrücke, lassen uns Eis in der Waffel auf die Hand geben und steigen am Lustgarten in den Bus, der uns wieder nach Hause bringt.